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Sind Sie schon genormt und durchgescannt?

Natürlich sind Sie kompatibel. Dank Deutscher IndustrieNorm werden wir immer kompatibler. Ich erinnere mich, dass viele sich anfangs gewehrt haben, gegen gerade gebogene Bananen, gleichgroße Äpfel, Gurken mit Einheitsmaß etc. Damals wurden die Gemüsebauern als Erste kompatibel, weil sie für Gemüse, das nicht gleichmäßig abgepackt werden konnte, keinen Großabnehmer fanden. Darüber regt sich heute kaum noch jemand auf. Im Gegenteil die Generation, die damit aufgewachsen ist, findet es höchst unnatürlich, wenn Äpfel verschieden groß und Bananen krumm daherkommen.

Aber das ist im Vergleich zur nächsten Stufe der Gleichmacherei eher eine harmlose Revolution gewesen. Diese nächste Stufe der Normung und Kontrolle ist längst eingeläutet und wird milliardenfach praktiziert. Mit dem Unterschied, dass darüber kaum gesprochen wird. Was ich besonders bedenklich finde, ist die Tatsache, dass jeder, einfach jeder von den Auswirkungen der neuen Kontrollinstanzen betroffen ist. Ob er es will oder nicht. Das Kürzel heißt RFID und steht für „Radio Frequency Identification“. Noch nichts von gehört? Also gut, auf Deutsch übersetzt: Identifizierung durch elektromagnetische Wellen.

RFID ist ein kleiner Chip – der weniger Platz benötigt, als die vier Buchstaben seiner Bezeichnung. Chips dienen zur Datenspeicherung, zum Datentransport, zum Einlesen und Auslesen von Daten jeglicher Art. RFID ist dennoch kein einfacher Speicherchip und verfügt über besondere Eigenschaften. Er ist nämlich quasi unsichtbar. Und das ist so gewollt. RFID verfügt neben seinem Speicher über Sende- und Empfangsmöglichkeiten, was ihn zu einer Art Geheimagent macht. Nun ist der Chip selber gar nicht so brandneu. In der Logistik wird er schon viele Jahre eingesetzt und erleichtert damit den Transport und die Lagerhaltung vieler Konsumgüter. Er ist aus der Industrie nicht mehr wegzudenken.

Doch wie die Verwendung von RFID-Chips ist damit längst nicht erschöpft. So ist es längst üblich, auch Nutztieren RFID-Chips unter die Haut zu pflanzen. Eine gute Sache, um feststellen zu können, welche Erbanlagen ein Tier besitzt, welches Futter es bekommt und wie alt es ist. Nicht zuletzt lässt sich seine Herkunft mit Hilfe dieses Chips zurückverfolgen bis zum Tag und Ort seiner Geburt. RFID-Chips haben also auch auf diesem Gebiet schon ihre Existenzberechtigung.

Auch die Medizin bedient sich mehr und mehr dieser Technik. So werden Patienten mit RFID-Chip ausgestattet. Das funktioniert völlig schmerz- und problemlos. Ein kleiner Pieks unter die Haut und schon ist er kompatibel. Wann immer der Patient zum Arzt geht, kann sich diese teure und zeitraubende Untersuchung sparen. Per Funk klinkt sich Arzt in den Körper des Patienten ein und ruft alle relevanten Daten zu seinem Gesundheitszustand ab. Das funktioniert weltweit und über alle Grenzen hinweg.

Wer nun denkt, dass das alles Science-Fiction-Visionen ist, der irrt. Jeder von uns dürfte RFID-Chips zu Hause haben. Sie werden von der Industrie auf alle möglichen Konsumgüter impliziert. Überall ist er zu finden, auf Verpackungen, Etiketten, Ausweisen, Kundenkarten, in Büchern, Kleidern und Möbeln und auf Geldscheinen. Der RFID-Chip kann praktisch überall unsichtbar ungebracht werden und unbemerkt senden und empfangen. Dabei benötigt er nicht einmal eine Batterie. Wo immer man sich auch gerade aufhält – ist eine Basisstation in der Nähe, können die Chips ausgelesen werden, ohne dass jemand es bemerkt. Einziger Schwachpunkt ist zurzeit noch die begrenzte Reichweite. Sie liegt je nach Modell zwischen 6 – 100 m. Wenn jetzt ihr Hausarzt seine Praxis nicht genau neben Lidl betreibt, haben Sie gute Chancen, dass auf Ihrem Kassenzettel nicht Ihre aktuellen Blutwerte in der Zwischensumme auftauchen.

Klingt doch alles ganz toll. Meine Oma aus Lingen hätte jetzt staunend den Kopf geschüttelt, ihre unegalen Kartoffeln aus dem Garten weiter geschält und gemurmelt: „Wat s’ al maken …“

Ach so, fast vergessen: Natürlich können Sie selber keine Informationen auf Ihrem Chip speichern, ändern oder löschen. Schließlich geht es ja nicht um Selbstbestimmung, sondern um lückenlose Kontrolle – zu unser aller Wohl – oder?

 0815 Alltag: Technisch
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